Die Creme-Chroniken, #1

Werbung // Ich hänge vor Instagram rum und beobachte mit der Faszination des Bösen, wie sich eine Make-up-Spezialistin im Rahmen eines Schmink-Tutorials gerade die dritte Schicht Creme ins Gesicht schmiert und dabei so nah an die Kamera kommt, dass ich eigentlich erwarte, ihren warmen Atem auf der Scheibe meines Handys zu sehen. Ich stoppe das Video, als auf das Tiefenlifting, die Augenpflege und eine Pflege, die im Video als Dayshade bezeichnet wird, zur Krönung noch ein Make-up, ein Concealer und ein fixierendes Puder aufgetragen wird. Okaaaaay, denke ich und rechne meine Cremes zusammen: 

Eine. Ja, räusper. Ich habe eine einzige Creme und die Haut meiner Mutter.

Danke an dieser Stelle, Mama, dass du mir deine samtweiche, nicht sonderlich zu Unreinheiten oder Falten neigende Haut vererbt hast. Die Creme, die ich benutze, ist wahnsinnig legendär und geradezu lachhaft teuer. Wenn ich Freundinnen sage, dass ich sie benutze, ernte ich dafür eine Mischung aus Ohhhs und Ahhhhs, gefolgt von der Bemerkung, dass man selbst – echt jetzt – ja unmöglich so viel Geld für eine Creme ausgeben würde.  

Sollte man aber, zumindest wenn man ein Alter erreicht hat, in dem man sich nicht mehr an seine Bauchfrei-Shirts erinnern kann. Ab vierzig (und erst recht mit fast fünfzig) ist eine legendäre Hautcreme, die jeden Pfenning wert ist, in jede Handtasche passt (schon alleine, weil die größeren Tiegel noch teurer sind) und die man euch irgendwann mal aus den toten, altersfleckigen Händen reißen muss, genau das, was dir zum Glück noch fehlt. Und ja, man sieht den Unterschied, echt jetzt, kein Scheiß. 

Überdies habe ich nach dem besagten Video ohnehin die Vermutung, dass ich mit meinem Solo-Tiegel für alles auf einmal echt günstig wegkomme.

Ich mache mir den Spaß und rechne die Produkte aus oben genanntem Video zusammen. 100. 150. 200. 250. Erschreckt lasse ich das Handy fallen, und während ich mich danach bücke, genieße ich das gute Gefühl, dass mir dabei nicht das Make-up aus dem Gesicht bröckelt und sich unter mir auf dem Teppich verteilt.

 


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