Mein liebstes Sommerbuch!

Wenn man mich nach einem herrlichen Buch über die Liebe und das Leben fragen würde, dann wäre das wohl eines, in dem Glück und Wut einhellig nebeneinander herspazieren, denn beides ist kostbar, wenn man erst mal in mein Alter kommt.

Als glänzendes Beispiel möchte ich das brandneue TAGEBUCH EINER FURCHTBAR LANGWEILIGEN EHEFRAU empfehlen, in dem das Happy End zuerst Speckrollen ansetzt und dann der eigenen Trägheit zum Opfer fällt. Ich möchte es mitten in einer Unterhaltung mit einer Freundin hochhalten und sagen: Lies das, du Langweilerin. Und dann such dir eine andere Rolle als die des Opferlamms, und nur mal so zur Erinnerung: Bambi war jung und dünn, und du bist es nicht. 

Zum Buch:

Das TAGEBUCH EINER FURCHTBAR LANGWEILIGEN EHEFRAU  ist ein ehrlicher, charmanter und urkomischer Roman über eine Frau, die auch am Rande der Verzweiflung noch Haltung bewahrt. Und Haltung, das ist was Inneres, das kriegt man nicht vom Tragen eines Push-up-BHs. Leider springen Männer eher auf Letzteres an.

Der Roman beginnt an dem Tag, an dem Diane Delaunais, die immer schon ihren Mädchennamen behalten hat, eigentlich gar keine richtige Ehefrau mehr ist: 

Plötzlich ist da das Geständnis ihres Ehemanns Jacques, dem offenbar die Liebe abhanden gekommen ist. Deshalb kommt Jaques auch Diane abhanden und zieht zu seiner signifikant jüngeren Freundin. An diesem Tag guckt die 48jährige Diane zunächst dumm aus der Wäsche und dann resigniert an sich herunter und fragt sich, ob dieser Körper überhaupt noch liebenswert ist. Der Mensch, der darin steckt, sollte vielleicht mal joggen gehen. Aber in erster Linie sollte er stolz sein auf drei erwachsene Kinder und ein halbes gemeinsames Leben. Und aus Wut ein paar Möbel kaputtschlagen, das sollte er auch. 

Jaques ist also weg, und das Leben geht weiter, zunächst aber nur nicht in Dianes Herz. 

Denn man kann vielleicht den Ehering gegen ein paar sündhaft teure Stiefel eintauschen und die gemeinsame Einrichtung zerstören, aber die Verbundenheit ist trotzdem noch da. Deshalb schützt Diane mit trotziger Loyalität das Andenken ihrer Ehe, weil diese früher gut war. Und an einer guten Vergangenheit ändert eben auch eine ungewisse Zukunft nicht viel.

Irgendwann fängt Dianes Zukunft dann doch noch an, auch ohne Jaques. Ganz wunderbar zu lesen sind die nahezu pubertären Verhaltensweisen, die diese Frau entwickelt, weil sie nach fast drei Ehe-Jahrzehnten mit einem neuen, süchtig machenden Gefühl konfrontiert wird: Freiheit. Insbesondere, da Dianes beste Freundin Claudine ohnehin für jede Verrücktheit zu haben ist und Dianes neues Leben zusätzlich aufmischt. Freiheit, ja. Das ist immerhin schon mal ein Anfang, für was auch immer. 

Mein Fazit: großartig!

Was für ein tolles, hoffnungsvolles, herrliches Buch über die Liebe, das Leben, das Älterwerden und die Tatsache, dass man nichts davon wirklich in der Hand hat. Und wenn man es schon nicht aufhalten kann, dann kann man es wenigstens genießen. Auf jeden Fall lesen!

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Mein Buch ist ein Rezensionsexemplar. Ich danke dem Verlag für die freundliche Bereitstellung.


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