Hör auf deine innere Stimme.

Das Café am Rande der Welt, John Strelecky

Aktuell fühlt es sich oft so an, als sei mein ganzes Leben nach innen gekehrt. Tagsüber sitze ich im HomeOffice rum, die Katze schläft neben mir auf dem Schreibtisch, und von der Welt um mich herum bekomme ich höchstens die Dorfstraße vor meinem Fenster mit. Da vermisse ich schon manchmal die Zeit in der Agentur, dieses ganze kreativ-fröhliche Gewusel mit Aussicht auf den Kölner Dom. 

Heute, als Freischaffende, drehe ich mittags höchstens eine Runde mit meinem Hörbuch ums Feld, wenn ich das bei dem aktuellen Workload überhaupt schaffe. Seit Corona sind in unserem Künstler-Haushalt einige Sicherheiten weggefallen. Da fragt man sich schon manchmal, ob es richtig war, die gut bezahlte feste Stelle an den Nagel zu hängen. 

Ich kann die Frage aus tiefstem Herzen mit Ja beantworten. 

Denn als freie Schreiberin muss ich mir nicht mehr – wie damals – täglich die Sinnfrage stellen. Beim recht chaotischen Wechsel von der Festanstellung in die Freiheit hat mir ein kleines Büchlein geholfen, das ich letztens als Hörbuch wiederentdeckt habe: DAS CAFÉ AM RANDE DER WELT.  

Das Café am Rande der Welt, John Strelecky
Das Café am Rande der Welt, John Strelecky

Ein Buch über Wendepunkte.
Und wie man sie mit Anlauf nimmt.

Falls du das Buch noch gar nicht kennst: John Strelecky erzählt darin die halbfiktive Geschichte eines gestressten Managers, der sich eines Tages hoffnungslos verfährt und irgendwo in der Pampa in einem kleinen Café strandet. Dort werden ihm die wichtigen Fragen des Lebens gestellt, die er im Buch sehr plakativ für sich (und andere) beantwortet. Die Originalausgabe heißt übrigens THE WHY ARE YOU HERE CAFÉ, was ich sehr viel passender finde, und seit seinem Erscheinen im Jahr 2007 ist das Buch in Deutschland eigentlich dauerhaft auf den Bestsellerlisten.

Bevor er das CAFÉ schrieb, arbeitete Strelecky jahrelang als Strategieberater für Unternehmen und begann sich irgendwann selbst zu fragen, ob er am Ende seiner Karriere wirklich irgendwo ankommen würde oder gerade einfach nur wertvolle Zeit verplempere. Er stieg aus und reiste mit seiner Frau um die Welt. Nach seiner Rückkehr schrieb er die kurze, fast kindliche Geschichte des Managers im Café, der beim Lesen der Menükarte über die wohl wichtigste Frage überhaupt stolpert: 

Why are you here? 

Warum bist du hier, oder: Welcher ist der Zweck deines Daseins? Wozu bist du auf dieser Erde angetreten? John Strelecky kürzt den Zweck der eigenen Existenz kurzerhand als ZDE ab und bringt seinen Lesern auf nicht einmal 130 Seiten (im Hörbuch in 2:46 h) bei, warum alle Probleme und Erfolge hier begründet sind. Zugegeben habe ich mich am Anfang, wie viele Leute da draußen, mit dem banal anmutenden Erzählstil schwergetan. Aber hey, manchmal ist es gut, das Leben in ganz dicken Buntstiften zu beschreiben, um wieder ein paar Farben abseits des eigenen Hamsterrads zu erkennen. Der Sprecher Markus Pfeiffer im Hörbuch ist top, daher fällt es mir fast leichter, das Buch zu hören.

Ob’s geholfen hat? Klares Ja.

Denn wenn man erst einmal ergründet hat, welcher der eigene ZDE ist, dann muss man sich nicht mehr täglich die Frage stellen, ob die Richtung, in die man marschiert, auch die richtige ist. Man muss sich nicht mühsam motivieren. Und man lässt sich auch keinen Mist mehr von anderen erzählen. Du kannst die Frage „Why are you here?“ gar nicht richtig greifen? Dann versuch es mal mit dieser: Was würdest du tun, wenn weder Geld noch Zeit eine Rolle spielten?

Ich würde schreiben. Damals in der Agentur hatte ich erreicht, was ich immer wollte, um zu merken, dass es mich nirgendwo hinführte. Im Nachhinein habe ich ziemlich viel Zeit damit vertrödelt, viel Geld zu verdienen. Nach dem Lesen des Buchs habe ich diesen Blog hier gestartet. Hier geht es zum Artikel, den ich damals über DAS CAFÉ AM RANDE DER WELT geschrieben habe.

John Strelecky hat längst mehrere Fortsetzungen seines berühmten CAFÉS geschrieben, die du alle als Hörbuch oder Buch erhältst. Vielleicht machst du ja eine Selbstfindungsreise draus.

Kein Strelecky-Fan? Dann hör doch Sinek.

Falls du dich zwar eingehender mit der Frage nach deinem persönlichen oder beruflichen Warum beschäftigen möchtest, aber Streleckys Erzählweise so gar nicht dein Fall ist, empfehle ich dir ein völlig anderes Hörbuch, das ich mindestens genauso schätze wie das Café: FRAG IMMER ERST: WARUM.

Frag immer erst Warum, Simon Sinek
Frag immer erst Warum, Simon Sinek

Bestseller-Autor Simon Sinek erklärt darin, dass nahezu alle großen Persönlichkeiten sich intensiv mit der Frage nach ihrem persönlichen oder unternehmerischen WHY? beschäftigt haben und dass nur die Antwort darauf eine Basis für nachhaltigen Erfolg ist. Ich empfehle dieses Buch allen, die Strelecky eher kopfschüttelnd weglegen und einen klaren, motivierenden Leitfaden für ihr eigenes (kreatives) Schaffen suchen. Für Werber, die wahrscheinlich ohnehin mit Simon Sineks Golden Circle vertraut sind, sollte es zur Grundausstattung gehören. 

Finde dein Why. Und dann lass dich nicht aufhalten.

Man sagt ja immer, dass die Lösung unserer Probleme oft direkt vor uns liegt. Ich schätze, sie liegt in uns. Bei mir beginnt sie mit dem Warum. Bei all dem Stress und den aufgegebenen Privilegien, wenn man überhaupt davon sprechen mag, sehe ich heute jede Sekunde einen Sinn in dem, was ich tue.

Ich schaue aus dem Fenster und überlege, was ich heute alles noch schreiben werde. Kunden warten auf ihre Texte. Ich krame meinen Kopfhörer raus und gucke nach, ob er geladen ist, damit ich mich gleich mit meinem Hörbuch auf den Weg ums Feld machen kann. Draußen winkt der Nachbar, der jeden Tag mit seinem Hund an meinem Fenster vorbeigeht. Ich winke zurück, setze mich auf, beginne zu schreiben, und die Welt ist gut.

Details & Hörproben gibt es hier:

 

3 Comments

  1. ClaudiaBerlin

    Hallo Nina,

    bin auf deinen Blog über den Artikel zum „Niedergang der Buchblogs“ gekommen – und hab‘ ihn in meine neue Blogroll „Buchblogger“ aufgenommen.
    Dein Blog gefällt mir, schon der Titel ist toll und auch die Artikel gefallen mir.

    Bin seit langem selbstständige Schreiberin – allerdings ohne Umweg über eine Agentur-Karriere. Toll, dass du da rausgefunden hast, trotz der vielen Benefits.
    Immerhin schreibst du ja noch „im Auftrag“, wie ich. Würde Geld keine Rolle spielen, würde ich diese Aufträge evtl. loslassen, denn PR und Werbung für Andere ist ja nicht unbedingt eine Herzensangelegenheit, auch dann nicht, wenn die zu bewerbenden Dinge ganz ok sind. Ansonsten aber würde ich nichts anders machen als jetzt – ich hätte nur mehr Zeit zum Bloggen und für den Garten.

    Dein Artikel inspiriert mich, endlich auch mal Zugang zu Hörbüchern zu finden! Sei herzlich gegrüßt, ich werde öfter hier reinschauen.

    1. Nina

      Mehr Zeit zum Bloggen und für den Garten – genau daran feile ich auch noch:-) Liebe Grüße, Nina

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