Einmal Schicksal, Bochumer Art.

Mark Twain soll mal gesagt haben, der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen sei der gleiche wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen. Volker Jarck hat in seinem Roman SIEBEN RICHTIGE so viele richtige Worte benutzt, dass es eine helle Freude ist.

Bereits nach den ersten Seiten gehörte dieses Buch zu meinen Lieblingsbüchern dieses durchwachsenen Jahres, denn (man sagte mir das gleiche mal über Mannheim): es ist so echt. Menschen und Lebensgeschichten ziehen beim Lesen an mir vorüber und begegnen mir und sich mit den Jahren immer wieder. Jede Figur und jede persönliche Geschichte ist verknüpft und verbandelt mit der nächsten, sei es durch eine schicksalshafte Begegnung oder puren Zufall.

Richtige, richtig gute Geschichten.

Da ist der Sporttrainer Roland, der seine kleine, Fahrrad fahrende Tochter nicht rechtzeitig genug aufhalten kann. Da ist der Lastwagenfahrer Ricardo, der eine Wespe viel näher kennenlernt, als ihm lieb ist. Da ist die Autorin Eva, die keine Berührungsängste mit dem Schreiben hat, aber offensichtlich welche mit dem Leben. Da ist der Lehrer Victor, der ein As im Scrabble ist, aber nicht im Vater oder Ehemann sein, dabei weiß man gar nicht so genau, was er falsch gemacht hat, da drüben auf seiner Bank, mitten in Bochum, im Abendlicht des Sommers 2018. Alle diese und noch mehr Geschichten fangen irgendwann an und spannen sich über die Orte und Jahre, zwischen Ruhrgebiet, Köln und Boston, sie beginnen in einer Zeit, die auch meine Kindheit war und enden weit in einer Zukunft, welche sich unterm Strich für die meisten gut anhört. Bis dahin hat man als LeserIn regelrecht mitgelebt mit diesen ganzen Menschen, die man sich so ultragenau vorstellen kann, als wenn sie dir nachmittags beim Müllraustragen im Hausflur begegnen.

Sieben Richtige, Volker Jarck

Ob SIEBEN RICHTIGE spannend ist? Wenn man das Leben als spannend betrachtet, dann ja.

Aber wir leben alle ja nun nicht gerade in einem Actionfilm und überleben täglich Explosionen, sondern finden höchstens mal einen Zettel vom Vormieter im Sicherungskasten. Man erlebt vielmehr alle möglichen Gezeiten des Alltags mit, Ängste und Sehnsüchte, Argumente und Gegenargumente, Krankheiten und Geburten, was eben so passiert und nicht mehr weggeht, bis man stirbt. Und ganz ehrlich: Am Ende, kurz hinter dem letzten Knick der letzten Seite, hab ich dieses Buch zugeklappt, ans Herz gedrückt und einmal lange ein- und ausgeatmet vor Beseeltheit. Ich liebe es, wenn Bücher sowas können.

Fazit: Ja, wow. Mann. Toll.

Mir hat gerade jemand mit ein paar Statisten vorgeführt, wie das Schicksal funktioniert. Und das Schicksal – ich wünschte, mir würde ein besseres Wort dafür einfallen – beginnt nicht in Hollywood, sondern an einer Straßenecke im Ruhrgebiet. Auch das hab ich mir genauso vorgestellt. Danke für dieses großartige Buch.

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