Buchtipp: DER MAUERSEGLER.

Der Mauersegler, Jasmin Schreiber

MARIANENGRABEN, ABSCHIED VON HERMINE und jetzt DER MAUERSEGLER: Jasmin Schreiber schreibt über den Tod. Punkt. Nun ist der Tod echt der Letzte, mit dem ich mir morgens mein Müsli teilen möchte. Es sei denn, er steckt in einem Buch von Jasmin Schreiber, Bestseller-Autorin, Sterbebegleiterin, ehemalige Sterbeblog-Schreiberin, Fotografin von Sternenkindern* und Illustratorin von Hospizwänden.

Denn dann weiß ich, dass die Story mit dem Tod erst anfängt und ich das Buch am Ende zuklappen und getröstet sein werde. Sogar, wenn ich am Anfang gar nicht traurig war. Nur die Mitte, ja, die ist immer hart.

Die Story: Superbeste Freunde, aus die Maus.

DER MAUERSEGLER handelt von einer dieser unglaublich wunderbaren Freundschaften, die ein unsichtbares Band zwischen zwei Kindern knüpft, und die fortan niemals wieder jemand trennen kann. Alles, was du machst, machst du ab jetzt zusammen, Steine ins Wasser schmeißen, Haustiere beerdigen, Freundinnen finden, Jobs an Land ziehen, älter werden – selbst das Sterben, das machst du irgendwie zusammen. Nur, dass im MAUERSEGLER einer offenbar schuld ist und der andere tot. 

Der Mauersegler, Jasmin Schreiber

Und nun rast Prometheus, der eigentlich Marvin heißt, auf einer Straße durch die Nacht und will seinem besten Freund Jakob folgen, aber er weiß zum ersten Mal in seinem Leben nicht wie. Denn den Tod kann man auch in der besten Angeber-Karre nicht als Ziel im Navi einstellen, und deshalb steckt Prometheus am Ende in Dänemark am Strand fest und schläft ein. Bis Aslaug ihn findet, eine alte Frau, die nicht gerade ein Spaßvogel ist und Prometheus von Anfang an für einen Idioten hält.

Das Leben hat doch keinen Rückwärtsgang, und dem Tod kann man nicht davonfahren.

Welcher Idiot würden das auch versuchen? Nichtsdestotrotz nimmt Aslaug Prometheus gemeinsam mit ihrer Frau Helle auf und gibt ihm das, was er offenbar gerade braucht: ein Zimmer in der ländlichen Zwischenwelt eines Ponyhofs, auf dem man in Ruhe mit seinen Geistern kämpfen kann. Und während die Hauptfigur ihres Romans langsam beginnt zu trauern, webt Jasmin Schreiber ein feines Tuch aus Rückblicken in die Vergangenheit und Ausblicken in die Natur um ihn herum, fast wie eine warme Decke, die man sich enger um die Schultern ziehen kann. Wir können warten, scheint die Natur zu zwitschern, zu schnauben und zu knistern, und wenn du bereit bist, dann nimmst du deine Erinnerungen und machst alleine weiter.

Denn ab hier, zum ersten Mal in deinem Leben, zum ersten Mal, seit du sieben oder acht bist, ist niemand mehr auf deiner Seite, egal was du anstellst, also musst du selbst anfangen auf deiner Seite zu sein. Und das ist zuweilen schwer, gerade wenn man ein Idiot ist und alle Fröhlichkeit und Menschlichkeit eigentlich immer in Form eines anderen, sanfteren Freundes neben einem herwanderte, sozusagen outgesourct war.

Der Mauersegler, Jasmin Schreiber

DER MAUERSEGLER ist ein zauberhaftes Buch, das teils fast naiv die Schönheit gemeinsamer Erinnerungen mit der Endlichkeit eines Lebens verbindet. Ich habe das Buch ausgesprochen gern gelesen, ich fand es schön und fesselnd, auch wenn die schräge Situationskomik aus Marianengraben fehlt. Aber wie völlig verrückt wäre es ohnehin, ein Buch mit einem anderen zu vergleichen.

Übrigens stammt auch die Illustration auf dem Einband von Jasmin Schreiber, und wie immer liebe ich den Eichborn-Verlag dafür, dass er dank Prägung auch aus dem Buch selbst etwas Besonderes macht. Man ist eben nie zu alt, um Schätze zu finden. Und alles, wo Schreiber draufsteht, ist definitiv ein Schatz.

Der Mauersegler, Jasmin Schreiber

Zur Autorin:

Jasmin Schreiber, ist Bestseller-Autorin, Social Media Human Being (@LaVieVagabonde) und studierte Biologin. Mit MARIANENGRABEN hat sie das erfolgreichste belletristische Debüt 2020 hingelegt, das inzwischen auch als Taschenbuch vorliegt. Im März 2021ist ihr Sachbuch ABSCHIED VON HERMINE erschienen.

Wer das Leben und Sterben auf diesem Planeten als Podcast hören möchte, dem sei BUGTALES.FM von Jasmin Schreiber und Lorenz Adlung empfohlen. Ich beneide beide um alle ihre Schnauzen, Schnecken und Heuschrecken, mit denen sie in Hamburg zusammenleben.

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Mein Buch ist ein Rezensionsexemplar. Lieben Dank an den Verlag für die freundliche Bereitstellung. 
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*Als Sternenkinder werden Babys genannt, die im Mutterleib oder kurz nach ihrer Geburt verstorben sind.

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