Verrücktes Roadmovie.

„Wenn du die Zeit um zwanzig Jahre zurückdrehen könntest und die Möglichkeit hättest, etwas völlig Verrücktes zu tun, etwas, das womöglich dein ganzes Leben ruiniert, aber es vielleicht auch unendlich viel besser macht, würdest du es tun?“

Die sechzigjährige Susan Frobisher und ihr Mann Barry führen ein angenehm langweiliges Spießerdasein in einem kleinen Kaff in Südengland – denkt zumindest Susan, bis Buchhalter Barry tot aufgefunden wird und ihr ganzes Leben zusammenklappt wie ein Kartenhaus in einer billigen Spielhölle. 

War es bis zu Barrys Tod das Aufregendste in Susans Leben, für die Special Effects in der örtlichen Laien-Schauspielgruppe zu sorgen, sieht sie sich nun mit dem heimlichen Doppelleben ihres Mannes konfrontiert, der ihr neben einem Haufen Sexspielzeug lediglich einen Riesenberg an Schulden hinterlassen hat. Schulden, die auf Susans Namen laufen. 

Susans beste Freundin Julie kennt das Gefühl, vor dem Nichts zu stehen.

Nach mehreren gescheiterten Geschäftsideen und Beziehungen ist die ehemalige unbekümmerte Lebefrau so ziemlich am Bodensatz der arbeitenden Bevölkerung angekommen. Als Aushilfe in einem Pflegeheim besteht der einzige Lichtblick in einer heimlichen Zigarette mit der aufmüpfigen, übergewichtigen Patientin Ethel. 

Aber wenn das Schicksal nur hart genug zuschlägt, schlägt man auch irgendwann zurück. 

So beschließen die verzweifelten Freundinnen, der Altersarmut den Mittelfinger zu zeigen: Gemeinsam mit Ethel und weiteren illustren Renterkumpanen schmieden sie Pläne, eine Bank auszurauben. 

Was sich daran anschließt, ist ein grandioses Roadmovie zum Lesen, eine schräge Ode an die Freundschaft und ein flammendes Pamphlet dafür, niemals die eigenen Träume aufzugeben. John Niven ist auch Drehbuchschreiber und versteht es perfekt, abgefahrene Situationen mit kuriosen Charakteren zusammenzubringen. Dazu kommt eine lässige, aufmüpfige Sprache und offensichtlich eine Liebe zu klassischen Gangster- und Bankraubfilmen.  

Zusammenfassen ist OLD SCHOOL eines dieser Bücher, die man nach der letzten Seite seufzend ans Herz drückt wie den besten Kumpel nachts in der Stammkneipe.

Ein Buch, das einen mit dem Älterwerden versöhnt und klarmacht, dass wir im Grunde immer dieselben bleiben. Klare Lese-Empfehlung!

Titel: Old School
Autor: John Niven
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (9. November 2015)

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