Mein Leben in Jeans.

Ja, Leute, der Vorteil an meinem fortschreitenden Alter ist, dass ich endlich mal gut aussehe in Jeans. Heute sagt man natürlich Denim, aber der Vorteil an meinem fortschreitenden Alter ist, dass mir das echt scheißegal ist.

Dass Jeans und ich dicke Freunde sind, war natürlich nicht immer so, denn bis vor ein paar Monaten war eine Jeans für mich das, was man anzieht, wenn man einfach etwas anzieht, weil man gerade nichts Bestimmtes anzieht. Also sowas wie der Kumpel, den man anruft, bevor man wieder nur doof vor der Glotze hängt. 

Jede meiner Lebensphasen hatte rein style-technisch sicher ihre Höhe- und Tiefpunkte, aber Jeans hatte noch nicht mal das: Mit 16, sehr kurzen Haaren, Vesparoller und Wrangler-Jeansjacke habe ich ausgesehen wie ein kleiner Junge. Mit 20 in Bootcuts und ohne Schminke wie eine kluge, aber langweilige Studentin.

Mit 35 und Kleinkind habe ich mal den Fehler begangen, mir das schlimmste Stück Stoff zuzulegen, das jemals aus dem Olymp der Mode auf uns Normalos runtergekotzt wurde: eine Latzhose. 

Heute tut es mir total leid, dass ich nicht alles, was ich jemals aus Denim (!) besessen habe (außer der Latzhose) einfach im Keller verwahrt habe. Denn mit fast 50 sehe ich endlich voll souverän und irgendwie lässig darin aus, und die andern von euch EndvierzigerInnen wahrscheinlich auch.

Vorausgesetzt natürlich, ihr lasst die Finger von diesen mit Blümchen und Glitzer-Gedöns bestickten Jeanshosen, die ein paar geschmacksverkalkte Irre sich für Frauen unseres Alters ausgedacht haben (mit siebenundsiebzig oder besoffen auf Ibiza: gern). Aber hey, jetzt mal ernsthaft, Bügelflicken und Aufnäher sind nur als Anhängerin des örtlichen Motorradclubs irgendwie geil. 

Die Jeansbasics, die ihr bitte stattdessen kauft, sind:

  1. Eine Jeansjacke, die zu eurer Ich-bin-jetzt-erwachsen-und-kann-mir-sowas-leisten-Designer-Handtasche passt. Man kann schließlich nicht immer im Burberry-Trenchcoat rumlaufen.
  2. Eine Jeanshose, die ihr liebt und erst wieder auszieht, wenn sich der örtliche Schneider weigert, sie noch mal von innen mit Flicken auszubessern.
  3. Ein Jeanshemd, zu dem ihr bitte mindestens zehn sehr große Ketten oder Silberringe auf einmal tragt. Die Betonung liegt übrigens auf Hemd, nicht Bluse. Allein das Wort „Bluse“ ist derart uncool, dass es verboten werden sollte. Und bitte nicht das Hemd zuknöpfen, sondern von mir aus bis zum Bauchnabel offen lassen. Knöpfe sind in unserem Alter sowieso nur als Richtlinie, nicht als Verpflichtung zu betrachten.

Mein Lieblings-Jeansstück ist übrigens ein Hosenanzug, und ich bin mir ziemlich sicher, dass irgendwann auch noch ein Jeans-Mantel dazukommt. Jeans sind meine neuen Pumps. Und was soll ich sagen: läuft bei mir, so rein style-Oma-mäßig betrachtet. 

Meine Denim(!)-Wunschliste: 


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  1. Isabel

    19 Juli

    Liebe Nina, danke für diesen Post. Du hast mir ein lautes Lachen geschenkt mit der Aussage zu „Blümchen und Glitzergedöns“! Ich stimme Dir so zu.
    Liebe Grüße Isabel

    • Nina

      24 Juli

      Danke für die Blumen:-) Es freut mich sehr, dass auch mal ein Text ohne Bücher ankommt. Liebe Grüße aus dem Urlaub, Nina

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