Paradise City, Zoe Beck

Zukunfts-Thriller: PARADISE CITY.

Jede Zukunfts-Horrorgeschichte hat ihre Zeit, und diese subtile Story hier passt gut zu unserer: Zoë Beck zeichnet in PARADISE CITY genau das Bild von Deutschland, welches unweigerlich entsteht, wenn man die eigenen Ängste zum Thema Pandemie, Impfen, Gesundheitskontrolle und Klimawandel mal konsequent in einen Topf schmeißt, umrührt und zu Ende denkt. Damit erschafft die mehrfach ausgezeichnete Autorin sicher kein zweites 1984, aber einige interessante Szenarien, die es sich zu lesen lohnt.

[powerkit_toc title=“Dystopie auf deutsche Art“ depth=“2″ min_count=“4″ min_characters=“1000″ btn_hide=“false“]

Der Thriller.

Deutschland in nicht allzu ferner Zukunft: Pandemien und die Auswirkungen des Klimawandels haben dafür gesorgt, dass ganze Landstriche überschwemmt oder entvölkert wurden. Während Berlin nur noch als Kulisse für Touristen taugt, sind Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet zur Zukunfts-Megacity sondergleichen herangewachsen: Die Infrastruktur funktioniert hervorragend, alle haben Arbeit, der Bus kommt pünktlich und alle sind (auf den ersten Blick) topfit. Doch verlässt man die Stadt, gibt es nur noch verlassenes Niemandsland – von der Natur überwuchert und von Tieren zurückerobert. Was aber eigentlich kein Problem ist, denn fast keiner der Citybewohner sieht einen Grund, einmal außerhalb der Stadtgrenzen nachzusehen, wie es um das eigene Land bestellt ist. Und keiner weiß daher so genau, was aus den Menschen wurde, die ihre eigenen Vorstellungen nicht zugunsten eines bevormundenden Staates aufgeben wollten.

Denn: Die Bewohner der Megacity haben einen Großteil ihrer eigenen Persönlichkeitsrechte gegen eine allumfassende Sicherheit und Gesundheitskontrolle eingetauscht. Existenzängste sind ausgestorben, damit aber auch die persönliche Freiheit. Nahezu das gesamte Leben, der Job, die Ernährung, die Mobilität werden von intelligenten Chips und Algorithmen gesteuert. Die GesundheitsApp KOS überwacht alle Vitalfunktionen und greift sofort mit Push-Nachrichten oder Medikamenten ein, wenn der Puls runter- oder der Blutdruck raufgeht.

„Es fehlt ihnen an nichts, weil sie daran glauben, dass es ihnen an nichts fehlt, und Freiheit ist ein viel zu abstraktes Konzept, außerdem kann sich frei bewegen, wer nichts zu verbergen hat.“ (Zoë Beck, PARADISE CITY)

Alles geregelt, keiner stellt Fragen. Bis auf Liina, die bei dem letzten nichtstaatlichen deutschen Nachrichtenportal arbeitet und auf einen zunächst nicht sonderlich mysteriösen Todesfall angesetzt wird. Doch die Frau, die in der Uckermark offenbar mit Bisspuren von Wildtieren gefunden wurde, ist bei näherem Hinsehen gar nicht so unbekannt, wie es anfangs den Anschein hatte.

Während sich in der eben noch banalen Story die Ungereimtheiten häufen, landet Liinas Chef nach einem mysteriösen Unfall im Koma. Liina findet heraus, dass er die junge, übermotivierte Frau keineswegs mit einer banalen Story abspeisen wollte, sondern einem Komplott auf der Spur war, der das so fortschrittliche Gesundheitssystem in einem völlig anderen, sehr viel düsteren Licht erscheinen lässt. Als dann noch ein Kollege spurlos verschwindet und eine weitere Kollegin verstirbt, vertieft Liina den Kontakt zu einer alten Freundin aus dem Gesundheitssystem. Nur: Wem kann sie glauben? Zumal es um ihre eigene Gesundheit auch nicht gerade gut bestellt ist und sie einige sehr persönliche Geheimnisse hütet …

Das Fazit.

Schweres Thema, leichte Kost. Hier geht beides für ein paar Nachmittage gut zusammen, sofern du Schwarzsehen light magst und die Story nicht allzu akribisch hinterfragst. Ich habe das Buch gerne gelesen, weil ich die Erzählstimmung mochte, fand aber die zweite Hälfte nicht so stark. Ein Thriller, der beschäftigt, aber nicht wirklich bewegt.

[powerkit_collapsibles]
[powerkit_collapsible title=“Wo du das Buch lesen solltest:“]
In der Bahn nach Frankfurt Innenstadt.
[/powerkit_collapsible]
[powerkit_collapsible title=“Was du dazu tragen solltest:“]
Gummistiefel, ein Notizbuch und einen Aluhut.
[/powerkit_collapsible]
[powerkit_collapsible title=“Ausgabe und Autorin:“]
Zoë Beck zählt zu den wichtigsten deutschen Krimiautor:innen und wurde mit zahlreichen Preisen, u.a. dem Deutschen Krimipreis, ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Zur Ausgabe: erschienen am 22.06.2020, suhrkamp taschenbuch, Klappbroschur, 280 Seiten
[/powerkit_collapsible]
[/powerkit_collapsibles]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren: