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Ein Jahr Buchblog. Eine Liebeserklärung.

Ein Jahr Buchblog. Eine Liebeserklärung.

Ein_Jahr_Buchblog

Ich lehne mich zurück und denke nach. Vor genau einem Jahr habe ich den ersten Artikel auf Ninas Buchblog veröffentlicht, und wenn ich hier & heute beim ersten Kaffee Bilanz ziehe, dann wird mir eines klar: Der Blog hat mein Leben gerettet. Mein kreatives Leben, das früher zum Großteil aus Schreiben und Lachen und Stolzsein bestand und dann auf einmal gar nicht mehr. 

Das Lesen und das Schreiben waren für mich von Anfang an zwei riesengroße Entdeckungen. Schon in der Grundschule habe ich mich gefühlt wie die absolute Superheldin, weil das, was da stand, auf einmal Sinn ergab. „Nein, Nina, nein“ waren die ersten Worte aus meinem Deutschbuch, die ich alleine lesen konnte. Die Nina aus dem Buch sollte nicht alleine über die Straße gehen. Die Nina mit der Nase im Buch war fasziniert. Das Lesen hat mich seitdem durch mein ganzes Leben begleitet. Es gab keinen Abend, keinen Morgen, keine Wartezeit, keinen Krankenhausaufenthalt, keinen Strandurlaub, keinen Sonntag, an dem ich nicht stundenlang gelesen habe. Lesen ist gute Isolation. Es blendet alle Probleme aus, und ich bin nicht mehr das Kind, das ziemlich oft Kopfschmerzen hatte. 

In meiner Welt wird das Lesen nur durch eine einzige Sache in den Schatten gestellt: das Schreiben.

Irgendwann habe ich entdeckt, dass ich so gut wie alles schreiben kann. Liebesbriefe, Plakate, Songtexte, totalen Quatsch, ernsthafte Angelegenheiten, Geschichten, Dialoge – und alles hat mich in einen Taumel der Begeisterung versetzt. Nicht, weil es immer gut war, das war es nun wirklich nicht, sondern weil das Schreiben auf einmal Ordnung in meine Gedanken brachte.

In einem Kopf, in dem eigentlich immer zu viel los war, haben sich die Gedanken in eine saubere Reihe gestellt und auf ihren Auftritt gewartet.

Das hat mir das Leben deutlich einfacher gemacht. Irgendwann sind dann auch Dinge dabei herausgekommen, auf die ich stolz sein konnte. 

Seit zwanzig Jahren verdiene ich mein Geld mit Schreiben. 2018 war ich an dem Punkt, an dem ich heulend in unserer Küche stand und ernsthaft aufhören wollte. Der gut gelaunte, impulsive, irgendwie schräge Mensch, der immer wie ferngesteuert durch seine eigenen Leidenschaften wusste, wo er hinwollte, war eigentlich nicht mehr vorhanden. Das Schreiben als Job war nur noch Geldverdienerei auf Kosten aller meiner Träume und Überzeugungen. Ich war mir am Ende gar nicht mehr sicher, ob ich es überhaupt noch so gut konnte, wie ich mir immer eingebildet hatte.

Schlechte Menschen bringen nun mal keine guten Texte in dir hervor. Am Ende habe ich den Job geschmissen, auf den ich seit meinem ersten Praktikum in einer Werbeagentur hingearbeitet hatte. Ich halte mich für einen unfassbar mutigen Menschen, und selbst für mich hat es sich damals so angefühlt, als müsse ich zum ersten Mal mehr Mut zusammennehmen, als ich eigentlich aufbringen kann. 

Heute ist alles wieder leicht.

Ich liebe das Lesen, ich liebe das Schreiben, und beides macht mich wieder so ungebremst glücklich, wie ich es seit Kindertagen war. Der Blog hat mich wieder in die Schwingung versetzt, die man als Kreativer braucht, um weiterzumachen. Ich habe entdeckt, dass ich nicht nur Schreiben, sondern auch WordPress alleine hinkriege (danke, G.:-)), wie super ist das denn. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es da draußen unfassbar viele Menschen gibt, die gerne über Bücher schreiben, reden und lesen. Ich dachte immer, das wäre ein einsamer Job, und ich habe selten mit etwas so derart falsch gelegen. Ich habe die nettesten Menschen der Welt kennen gelernt und festgestellt, dass sie einem gerne helfen, wenn man sie fragt. Blogger und Buchhändler, Verlage, Instagrammer und Autoren. Allen voran der Kaffeehaussitzer. Und ich habe viele Leser. Wir irre ist das denn!!! Und wie schön, dass du einer davon bist.

Ja, der Blog kostet richtig viel Zeit. Ich liebe jede Sekunde davon. Als freie Texterin kann ich gut damit leben, dass ich mit ihm nichts verdiene.

Ob ich lieber nur noch bloggen würde?

Klar. Und ein Buch schreiben. Und Gedichte. Und mal zu Lesungen gehen. Und eine Kurzgeschichte vielleicht. 

Ein Jahr Buchblog. Lieber Blog, du hast mir das Leben gerettet. Ich möchte dich küssen, weil ich dir so schrecklich dankbar bin. Und jetzt lass uns nicht mehr davon reden, sondern einfach weitermachen. Mein Kaffee ist auch schon kalt. Deine Nina. 


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  1. Melanie

    4 Januar

    Grosses Kompliment…
    Dein Buchblog ist wirklich schön, inspirierend&herzlich, einladend&informativ!!!
    Auf das Dir noch viele wundervolle Bücher&Besucher begegnen🦉.
    Alles Liebe!
    -M.

  2. Uli

    7 Juli

    Kann ich als Schreiberin so gut nachvollziehen und ich freue mich mit dir, dass du die unfassbare Freude in dir wiedergefunden hast. Gut so, denn deine Geschichten sind zauberhaft

    • Nina

      14 Juli

      Ja, man hat so einen inneren Schreibgott, und den verärgert man besser nicht:-) Lieben Dank für das große Kompliment & liebe Grüße!

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