Führungskraft auf Abwegen? So bringst du dich in Spur.

In vielen Unternehmen herrscht Unsicherheit, ob manche Aufgaben eher etwas für die Führung oder für das Team sind. Zwei Worte könnten Klarheit bringen: das „Wohin“ und das „Wie“. Denn die Führungskraft verantwortet, wohin die Reise geht, also welche Ziele man gemeinsam erreichen möchte. Die Mitarbeiter verantworten hingegen, welcher Weg dorthin der beste ist. Als Experten bestimmen sie das „Wie“. Daraus ergibt sich u.a. eine große Challenge für Leader, nämlich sich nicht ins „Wie“ einzumischen. Auch nicht bei wichtigen Wie-Entscheidungen.

Kurzes Storytelling für Führungskräfte: 

Angenommen, Sie wollen die Westküste eines noch unbekannten Landes erschließen und dort eine Siedlung gründen. Erfreulicherweise konnten Sie bereits eine Mannschaft anheuern, die fähig ist dieses Ziel mit Ihnen zu verfolgen. 

Ihr Weg führt Sie quer durchs Land, und alles läuft gut, bis Sie an ein Gebirge kommen. Nun stellen Sie sich die Frage, ob Ihre Mannschaft um das Gebirge herum oder über das Gebirge herübergehen sollte. Glücklicherweise haben Sie zwei Experten im Treck, von denen der eine Bergsteiger und der andere Wanderer ist. 

Wandern oder Bergsteigen? Ein klares „Wie“.

Der Wanderer möchte mit seiner Mannschaft außen herum gehen, während der Bergsteiger zeitgleich den direkten Weg über das Gebirge nehmen möchte. Das klingt für Sie aber nicht nach einem vernünftigen Konsens. Also lassen Sie erst einmal die Zelte aufschlagen und denken nach:

Wenn zwei Wege gleichzeitig gegangen würden, könnten Sie nur einen Experten begleiten. Der andere wäre auf sich gestellt – und für Sie nicht kontrollierbar.

Außerdem haben Sie nur einen Koch dabei. Und was, wenn ein Teil des Trecks früher ankäme als der andere? Dann würde die Hälfte Ihrer Leute rumstehen und warten. Daher treffen Sie eine Entscheidung für alle: den Treck um das Gebirge herumzuführen. Durch die lange Rast sind aber erst mal alle ein bisschen lahm. Außerdem ist Ihr Bergsteiger-Experte demotiviert, weil er zu Höherem berufen ist. Seine stille Kritik steckt das Team an, aber das wird schon, wenn Sie ankommen, denken Sie.

Auf den letzten Metern dreht Ihr Bergsteiger um und schließt sich einer Berg-Expedition an. Ihren Koch nimmt er mit. Am Ziel sind alle hungrig. Sie fragen sich, was Sie eigentlich falsch gemacht haben. 

Sie haben das WIE bestimmt. Ohne Sie wären Ihre Experten auf zwei Wegen zum gleichen Ziel losgezogen und hätten dort ihre Erfahrungen austauschen können. Vielleicht hätten Sie selbst ja vorher mal in die Runde gefragt, wer für ein paar Tage das Kochen übernimmt und festgestellt, dass Ihr Architekt ein Hobbykoch ist. Ihre Gruppe wäre vielleicht ein paar Tage vor den anderen am Ziel gewesen, und dort hätte man dann mit der weiteren Planung vor Ort beginnen können. Den anderen hätten Sie bei ihrer Ankunft so bereits den Grundriss Ihrer neuen Siedlung zeigen können.

Klingt zu märchenhaft?

Dann doch lieber ohne Storytelling: Führungskräfte sollten ihre Energie vornehmlich darauf verwenden, ihren Teams das große gemeinsame Ziel zu vermitteln. Und vermeiden, ihnen auf dem Weg dorthin in den Karren zu fahren. So kann das Team seine volle Stärke ins „Wie“ einbringen und das gute Gefühl des Ankommens teilen.

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