Klamotten fürs Jobkarma.

Letztens vorm Kundentermin: Ich renne hektisch durch die Bude und finde keine Schuhe zum schwarz-weißen Etui-Kleid. Draußen überschreitet der Sommer gerade die erträgliche Dreißig-Grad-Marke, und alle halbwegs schicken Klamotten, die ich ansonsten zu Kundenterminen trage, sind viel zu warm. 

Ich krame in Schuhkartons, richte unter Zeitdruck das totale Chaos an und starre dann auf ein paar sehr schöne, farblich perfekte Pumps. Daneben stehen fünf Paar Turnschuhe, in denen ich sogar laufen kann. 

Mann, denke ich. Ich bin das Gegenteil von einem Clown. Der zieht sich zur Arbeit wenigstens lustig an.

Und ich? Ich versuche gerade, mich unlustig anzuziehen, um ernst genommen zu werden. Jeder, der mich kennt, weiß, dass das vollkommen lachhaft ist. Noch 25 Minuten bis zum Kundentermin. 

Muss man sich 2020 eigentlich wirklich für Kundentermine verkleiden?

Ich habe da vor Jahren mal was Schönes  in einem Vortrag zu moderner Unternehmensführung gehört,  von Frédéric Laloux, dem Godfather of Agilität: Zu den drei Grundpfeilern eines agilen Unternehmens gehört nach Laloux, dass jeder sein ganzes Selbst mit zur Arbeit bringen kann. Und dieses Selbst besteht aus ziemlich vielen, interessanten Facetten. Da wären beispielsweise die eigene Meinung, die eigenen Interessen, die eigenen Werte und selbstverständlich auch der eigene Stil. So entsteht Vielfalt, und nur so kann man sich gegenseitig inspirieren. Und wo man sich inspiriert, da kommt man weiter. 

In den Pumps vor mir komme ich noch nicht mal vom Parkplatz bis zum Kunden.

Was würde passieren, wenn ich in Turnschuhen und Jeans beim Kunden auftauche? Ganz ehrlich: gar nichts. Kunden haben ihre Kleiderordnung längst gelockert, Menschen auf Führungsebenen haben sich dank Home Office in den letzten Monaten locker gemacht. Und die meisten  haben gelernt, dass es sie ihrem Team höchstens näher bringt. Dresscodes? Hat man irgendwann gehabt und dann nach dem Winter im Schrank vergessen. 

Früher, als ich noch regelmäßig für einen Beauty-Konzern gearbeitet habe, war die komplette weibliche Belegschaft dünn, Kostüm-bewandet und hochhackig unterwegs. Vor dem ersten oder zweiten Termin hat mich mein Chef darauf aufmerksam gemacht, dass man meine nach heutigen Maßstäben mikroskopisch große Tätowierung durch meine Chiffonbluse sieht und mir angeraten, lieber etwas anderes anzuziehen. Ich habe gelächelt. Mehr nicht. Und jetzt stehe ich hier in einem Kleid, das ich mir mal im Sale für die Hochzeit einer Freundin gekauft habe. 

Noch 18 Minuten zum Kundentermin. Ich renne nach oben, ziehe mir Sachen an, die ich auch sonst anhabe und fahre los.

Natürlich hat man mich beim Kunden in diesem Aufzug erst gar nicht am Empfang vorbeigelassen, und der Termin musste aufgrund unpassender Kleidung der Strategin abgesagt werden. Kleiner Scherz, hat natürlich keinen interessiert. Die Kundin hatte ein sehr schönes Sommerkleid an. Und Flip-Flops an den Füßen. 

Meine Jobkarma-Wunschliste:


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