Bockpeople wie Andree.

Andree Bock (!) ist Werbekaufmann, Absolvent des ersten Jahrgangs der Hamburger Texterschmiede und hat lange als Werbetexter in bekannten Agenturen gearbeitet, bevor er Businesscoach für Führungskräfte aus Internet-Agenturen und Start-ups wurde. Inzwischen beschäftigt er sich allerdings mit einer Transformation der ganz anderen Art: Seit einem Jahr lebt er auf einem 2000 Quadratmeter großen Waldgrundstück im Norden Niedersachsens, das er in einen Permakulturgarten verwandelt, siehe: @derbockimwald. Sein Ziel: nachhaltige Selbstversorgung. Die Welt retten, wenn man so will.

 


Du im Wald und nicht in Hollywood?

Ha. Tatsächlich habe ich zwischen meinem 16. und 22. Lebensjahr Amateur-Theater gespielt und in Stücken von Dario Fo bis hin zu Shakespeare gespielt. Für ein Schauspielstudium habe ich mich aber nie beworben, sondern 1995 ein Techno-Internet-Magazin gegründet. Ich bin dann DJ geworden und letzten Endes zunächst einmal als Texter in der Werbung gelandet. 

Wer hat dir das eigentlich alles beigebracht? 

Ich bin nur ein Papierschiffchen auf dem großen Ozean. Frag die Wellen. 

Welches Lied grölst du mit?

„Mit 18“ von Marius Müller-Westernhagen. Ich kenne aber das ganze Album „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ auswendig, bzw. kann es mitgrölen. Altlasten einer Schullaufbahn mit vielen Mensa-Feten; so hießen Parties damals, kiddos. 

Dein kreatives Schlüsselerlebnis? 

Als ich in einer Werbeagentur mein erstes (und einziges) Text-Praktikum gemacht habe und nach ein paar Wochen Auszubildende jeden Jahrgangs zu mir kamen, um mich um Rat zu fragen. 

Später dann, als ich bei Jung von Matt/Elbe mit Peter K. zusammengearbeitet habe. Peter weiß es wahrscheinlich nicht, aber er hat mein damaliges Verständnis vom Zusammenspiel zwischen Qualität und Tempo komplett auf den Kopf gestellt: Er war einfach unglaublich gut und schnell im Texten. Hallo Peter, du oller Griesgram.

Vielleicht kein „kreatives“ Schlüsselerlebnis im angedachten Sinne, aber eines aus der Natur: Ich hatte hier auf dem Grundstück für kurze Zeit ein Rattenproblem. Eines Tages hatte einer meiner Hunde eine Ratte gefangen, diese aber nur schwer verletzt, anstatt sie zu töten. Ich bin dann mit einem Beil hin und habe das Tier erlöst. Vorher hat mir die Ratte direkt in die Augen geschaut, schmerzerfüllt und leidend. Not nice. Ich habe sie dann zügig erlöst. Weil es das ist, was man macht. Und ich habe in dem Moment gemerkt, wie weit ich bis dahin vom natürlichen Leben entfernt war.

Schneidest du dir die Haare selbst?

Welche Haare? 😀

Hast du Arbeitsklamotten?

Ja. Mein Lieblingsstück ist eine 12 Jahre alte Jeans, die an den Knien so voller Dreck steckt, dass ich sie beinahe aufrecht hinstellen könnte. Für Holz- und Kettensägen-Arbeiten schwöre ich auf meine Arbeitsschuhe mit Stahlkappen, die mir schon so manchen Zeh gerettet haben. Handschuhe sind eh ein Muss, wenn du Brennnessel-Jauche ansetzt, mit Beeren arbeitest und Kartoffeln erntest.

Fuck you, ...

„… I won’t do what you tell me!“

Song: „Killing in the name of…“ von Rage Against The Machine, meiner all time favorite Band neben den Beastie Boys und Metallica. Das Album kam 1992 heraus, zu einer Zeit, in der ich nicht so recht wusste, wohin mit mir. Der Song ist nicht nur in Zeiten von George Floyd aktueller denn je, er spiegelt auch gut die Verzweiflung und Wut wider, die ich damals verspürte. Das liegt zwar mittlerweile alles hinter mir, aber ey: Das Album ist immer noch der Knaller, und den Song gröle ich auch immer noch gerne mit. Motherfucker! 

Was machst du nur für Kohle? 

Crypto-Währungen dealen. Ethereum, Bitcoin, Zenon, you name it. Cryptowährungen sind in 2020 ungefähr da, wo die Internet-Branche 1994 war. DYOR.

Wer oder was inspiriert dich?

Bill Mollison, der australische Erfinder der Permakultur. Er hat während eines sozialen Projekts mitbekommen, wie schlecht die 60.000 Jahre alte Kultur der Aborigines von der australischen Regierung behandelt wurde und war empört. Zudem war er fasziniert davon, wie die Aborigines in einer kargen Umwelt überlebten und sich von ihr ernährten, ohne sie zu zerstören. Aus der Wut über der schlechten Behandlung und der Faszination für das uralte Naturwissen der Aborigines entwickelte er die Permakultur: ein systematisches Denken und Handeln zum Gestalten und Erhalten zukunftsfähiger Lebensräume. Ziel ist es, Energie-erhaltende Kreisläufe zu erschaffen.

„Man kann sich das wie einen Tanz mit der Natur vorstellen – und die Natur führt.“

Andree Bock über die Permakultur.

In meinen Augen ist Permakultur ein cleverer Ansatz, um vieles, was in der Nahrungsindustrie und der Umweltpolitik falsch läuft, zu korrigieren. Aber nicht nur das, denn Permakultur-Prinzipien stehen für eine zukunftsträchtige Welt. Earth Care, Human Care, Fair Share–google it! Dazu braucht es ein Umdenken. Meinen Beitrag für diese Welt sehe ich darin, auf meinen 2000 Quadratmetern meine eigene kleine und sanfte Revolution durchzuführen, indem ich mit der Natur arbeite und nicht gegen sie. Das dokumentiere ich auf meinem Instagram-Kanal @derbockimwald und hoffe, so andere zu inspirieren.

Derzeit baue ich in meiner kleinen Waldsiedlung zum Beispiel eine Nahrungs-Genossenschaft auf. Wir sprechen uns untereinander ab, was wir anbauen und erübrigen können. Das tauschen wir dann, u.a. auch gegen handwerkliche Leistungen. 

Was machst du am liebsten?

In der Sonne sitzen und dem Gemüse beim Wachsen zusehen. Mit meinen Hunden spielen. Bei einer Tasse Kaffee im Garten Ninas Interviewfragen beantworten.

Welche Kunst möchtest du beherrschen? 

Zeichnen & Malen. Meine Skizzen und Zeichnungen sind legendär schlecht, Dreidimensionalität wird für mich vermutlich immer ein Rätsel mit sieben Siegeln bleiben.  

Übst du?

Nö. Im Garten tust du es oder lässt es sein, der Rest ist Lernen. Die Natur ist übrigens ein gütiger und strenger Lehrer zugleich, wenn das irgendwie Sinn macht. Sie zeigt dir einerseits an den Ergebnissen, was nicht funktioniert. Andererseits kann das, was funktioniert, zu unglaublichen Ergebnissen führen – wie meinen knapp 40 Kilo Kartoffelernte dieses Jahr. Es bleibt abzuwarten, ob mein Weg, den Überschuss einzulagern, funktioniert. Und auch das wird eine Lektion werden. 

Hast du schon mal ein Gedicht geschrieben? 

Ja, und weil ich ein netter Mensch bin, habe ich sie alle vergessen. 

Kümmerst du dich um deine Rente? 

Ja, unter anderem siehe Cryptowährungen. Ich habe die Einzahlungen für die Rürup-Rente, die ich in einem Anfall geistiger Umnachtung abgeschlossen hatte, gestoppt und nutze das Geld nun, um monatlich Bitcoin und Ethereum zu kaufen.

Auf was kannst du verzichten? 

Teure Autos. Teure Klamotten. Einen Fön. 

Was hinterlässt du, wenn du gehst? 

Neben der Asche, meinst du? Vielleicht Geschichten, die die Menschen zum Lachen und zum Weinen gebracht haben. Und ein Kreislaufsystem in meinem Garten, das sich nahezu selbst erhält und durch meine Asche einen kleinen Nährstoff-Boost erhält. 


Perma-was? Einlesen, mitmachen.

Permakultur, ursprünglich ein System zur wirklich nachhaltigen Landwirtschaft, lässt sich inzwischen gut auf weitere Lebensbereiche wie etwa unsere Energieversorgung oder unser Zusammenleben ausweiten. Andree liefert dafür auf seinem Permakultur-Blog sehr klare und bildschöne Gründe und Erklärungen, die du dir hier anschauen kannst.

„Der Ansatz ist immer, mit der Natur zu arbeiten anstatt gegen sie.“

Andree Bock, Der Bock im Wald

Andree selbst befindet sich derzeit in der Ausbildung zum Permakultur-Designer. Falls du selbst aktiv werden willst, empfehle ich dir neben Andrees Instagram-Präsenz auch Andrees Gruppe bei Facebook; hier lernst du einiges von Menschen, die bereits Permakultur betreiben und kannst dich austauschen.


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